Nur ein kleiner Piks – Mein Impfbericht

Zögerst Du noch, Dich impfen zu lassen? Bist Du unsicher, weil Du nicht weißt, was auf Dich zukommt? Vielleicht hilft Dir dieser ganz persönliche Bericht darüber, wie ich meine Impfung erlebt und vertragen habe.

Der Gesundheitsminister warnt vor einer Inzidenz von über 800 im Herbst, über 100.000 Neuinfektionen pro Tag werden erwartet. Um diese nächste Corona-Welle zu brechen, hilft nur die berühmte „Herdenimmunität“. Durchseuchen ist keine Alternative – deswegen müssen möglichst viele Menschen geimpft werden. Doch selbst manche Politiker sind von der Impfung noch nicht überzeugt – dabei ist doch alles nur halb so schlimm!

Der Weg zum Impftermin

Für mich stand schnell fest, dass ich mich unbedingt impfen lassen will – je schneller, desto besser, also habe ich mich gleich beim Impfzentrum angemeldet. Als mittelalte, gesunde Person wurde mir Prio 4 zugesprochen. Die Aussicht, damit einen zeitnahen Termin zu bekommen, waren im Frühjahr noch eher mäßig.

Nun habe ich das Glück, dass ich im Staatsdienst angestellt bin – und Bayern hat per Dekret allen diesen Mitarbeitenden die Prio 3 zugesprochen. Die Hoffnung stieg, das Impfportal wurde täglich mehrfach aktualisiert, bis Mitte Mai endlich die erlösende Meldung kam: Sie können einen Impftermin vereinbaren.

Gesagt, getan, den nächstmöglichen Termin ausgewählt, einen Gleittag bei der Arbeit genommen und am 18. Mai war es dann soweit – ich machte mich auf den Weg zum Münchner Impfzentrum, das in den Messehallen in Riem angesiedelt ist. Dankenswerterweise hatte mein Mann fünf Tage vor mir seinen Termin und konnte vor Ort bereits alles auschecken. In Theorie wusste ich also, was mich erwartete.

Die Verkehrsanbindung ist wunderbar, mehr als genug Parkplätze sind vorhanden, von der nahen U-Bahn-Station fährt alle paar Minuten ein Pendelbus direkt bis zum Eingang des Impfzentrums. Vorab hatte ich bereits meinen Impfpass herausgesucht und die notwendigen Unterlagen vorausgefüllt. Ich war bereit.

Im Impfzentrum

Das Münchner Impfzentrum ist riesig – an guten Tagen können dort mehr als 10.000 Menschen durchgeschleust werden! Im Eingangsbereich wird zunächst mittels eines Sensors die Körpertemperatur gemessen, denn mit Fieber sollte man natürlich nicht auftauchen. Ich hatte mir am Wochenende vor meinem Termin eine leichte Blasenentzündung zugezogen, Information vom Hausarzt ergab, dass das aber kein Problem sei, solange ich nicht fiebrig bin.

Erste Hürde geschafft. Am nächsten Checkpoint wurde mein Personalausweis überprüft und mein Termin verifiziert, dann durfte ich mich auf den langen Weg durch die Messehallen machen. Es war mehr als genug Hilfspersonal vor Ort, das jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand und z.B. auf die letzte Toilettenmöglichkeit hinwies (die ich natürlich noch genutzt habe!).

Durch ein Labyrinth aus Absperrbändern schlängelte ich mich zur nächsten Station – nun wurden die vorausgefüllten Unterlagen geprüft. Man kann diese Unterlagen bei der Terminvereinbarung herunterladen und ausfüllen, es besteht aber natürlich auch die Möglichkeit, dies direkt vor Ort zu tun, und auch dafür steht genug unterstützendes Personal bereit. Die Menschen waren durchweg sehr nett und hilfsbereit, auch auf die Hygiene wurde penibel geachtet, alles immer wieder abgewischt und Stifte ausgetauscht.

Nach der Schlange wart vor der Schlange, also wieder einreihen, weiterlaufen, bis schließlich nach Impfstoffen sortiert wurde – für mich stand Comirnaty von Biontech/Pfizer auf dem Plan. Auch hier wurden nochmal sorgfältig die Unterlagen kontrolliert und darauf geachtet, dass alle in die richtige Schlange kamen.

Es wird ernst: Das Impfen

Weiterlaufen (ich weiß nicht, wie viele Kilometer man im Münchner Impfzentrum zurücklegen muss, aber es war echt eine lange Strecke) bis zum nächsten Checkpoint, nochmal Blick auf die Unterlagen, dann wurde mir eine Kabine zugeteilt, in der ich Platz nehmen durfte. Dort nahm mich ein medizinischer Assistent in Empfang, der alle Daten im Computer überprüfte, mich nochmal über alles informierte, den Impfpass und die Spritze vorbereitete. Kurz darauf erschien die Ärztin, die die Impfung vornahm. Noch eine kurze – unvermeidliche – Diskussion über das Hieroglyphen-Tattoo am Oberarm, dann setzte sie die Nadel präzise zwischen „Leben“ und „Heil“. Der Piks war kaum zu merken, der Stoff drin im Körper und es gab ein unscheinbares Pflaster.

Unterlagen in Empfang nehmen, raus aus der Impfkabine, von einer Person des Hilfsteams zum Ausruhraum geleitet worden. Es hieß, dass man nach der Impfung noch 15 min warten solle, dafür war eine ganze Messehalle mit Stühlen in großzügigem Abstand ausgestattet worden, überall gab es auch Wasserstationen. Zum Glück habe ich immer etwas zum Lesen dabei.

Der Arm schmerzte an der Einstichstelle etwas, aber das war nicht schlimmer als bei jeder Grippe-, Tetanus- oder sonstigen Impfung. Aus der bestuhlten Halle führte der Weg nun wieder an die frische Luft, der zuvor in den Hallen zurückgelegte Weg musste nochmal hinter mich gebracht werden, bis ich wieder an der Haltestelle des Pendelbusses angekommen war. Wie präzise die Abläufe im Impfzentrum getaktet sind, konnte ich daran sehen, dass einige Menschen, mit denen ich angekommen war, nun auch gerade auf den nächsten Bus warteten. Eine tolle Organisation.

Und die Nebenwirkungen?

Mein Mann lag nach seiner Moderna-Impfung einen Tag flach. Ich horchte also den ganzen Tag in mich hinein, aber: nichts. Ein etwas unangenehmes Gefühl am Oberarm blieb, aber ansonsten tat sich nichts.

Am nächsten Tag konnte ich ganz normal zur Arbeit. Keine Müdigkeit, kein Fieber, keine Kopfschmerzen. Lediglich ein ganz unangenehmes Körperkribbeln stellte sich am Tag nach der Impfung ein, wie tausend Ameisen unter der Haut, oder wie eine Gänsehaut, nur innerlich. Es kam und ging, schauderte mich ab und an, schränkte mich aber in keinster Weise ein.

Zur Kontrolle der Impfreaktionen habe ich die „SaveVac“-App genutzt, wo man alles ganz genau eintragen kann, was einem auffällt.

Teil 1 relativ unspektakulär hinter mich gebracht. Nun hieß es sechs Wochen warten bis zum zweiten Termin.

Eine andere Nebenwirkung der Impfung kam währenddessen langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit – eine, von der man bisher nichts gehört hatte und vor der auch nicht gewarnt wurde: Unregelmäßigkeiten im Zyklus. Meine Periode nach der Impfung blieb zunächst aus und setzte dann verspätet eine Woche vor dem zweiten Impftermin ein. Vier Tage Blutung, eine Woche Pause mit Schmierblutung, weitere fünf Tage Blutung und dann drei Wochen dauerhafte Schmierblutung. Das war ein wenig anstrengend und unangenehm. Ich bin gespannt, ob sich mein Zyklus nun wieder langsam einpendelt.

Der zweite Termin

Sechs Wochen vergehen schnell und so machte ich mich bald auf zur zweiten Impfung. Die Unterlagen vom ersten Mal waren wieder eingepackt, ich kannte mich ja nun schon aus und stellte mich diesmal am Impfzentrum auf lange Wartezeit ein. München hatte die Tage wohl eine große Lieferung erhalten und ich habe schon von anderen Menschen auf der Arbeit gehört, dass es Schlangen geben würde.

Das bestätigte sich. Als der Pendelbus hielt zog sich die eine Zugangsschlange vom Eingangsbereich über den kompletten westlichen Parkplatz. Wir wurden gleich auf die östliche Seite verwiesen und auch dort bildete sich schnell eine lange, lange Schlange. Im Gespräch habe ich erfahren, dass an dem Tag gut 15.000 Menschen durchgeimpft wurden.

Die Schlangen waren auch gar nicht so schlimm – man war ständig in Bewegung. Nicht schnell, aber es gab auch keine Wartezeiten. Also dasselbe Prozedere wie zuvor: Temperaturmessung, Personalausweisprüfung, laufen, laufen, laufen, bis zur Biontech-Schlange. Laufen, laufen, laufen, bis zur Impfkabine. Assistenz, Eintragung der Unterlagen, Arzt, Diskussion über das Hieroglyphen-Tattoo, wieder die Spritze zwischen „Leben“ und „Heil“, Pflaster, ausruhen, heim.

Trotz der endlos langen Wege und vielen Menschen war ich im Impfzentrum nur gut eine Stunde unterwegs!

Die Nebenwirkungen waren dieselben wie beim ersten Mal: Körperkribbeln am Tag danach, mehr nicht. 14 Tage später hatte ich den vollen Impfschutz und bin darüber sehr froh und glücklich.

Ein Ausblick

Inzwischen habe ich auch den Impfzentrums-Vergleich, denn für uns stand sehr schnell fest, dass wir auch unser 13-jähriges Kind impfen lassen, das natürlich auch mitzureden hatte und mit uns einer Meinung war. Für das Kind habe ich im Münchner Umland einen Termin bekommen – im Impfzentrum Unterschleißheim (danke, Twitter!), das im Vergleich zu den riesigen Hallen in München winzig war – ein Containerdorf auf dem örtlichen Festplatz.

Langer Rede kurzer Sinn, auch das Kind hat seine erste Biontech-Impfung gut hinter sich gebracht, war nur einen Tag mit Kopfschmerzen und Mattigkeit daheim und ist dann zum Start des neuen Schuljahres im Herbst auch vollständig geimpft.

Es wäre noch so viel zu sagen. Über die gesellschaftliche Verantwortung, die wir alle tragen, über seltsame Begegnungen im Einzelhandel, über die Notwendigkeit, auch und gerade die Jugendlichen zu impfen. Doch dafür ist an anderer Stelle vielleicht noch Gelegenheit.

Ein paar letzte Worte: lasst euch bitte impfen. Es tut auch gar nicht weh und hilft euch. Und euren Mitmenschen.

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