Queer lesen? Das ist nicht schwer: Buchtipps zum Pridemonth

Diversität und deren Repräsentation in Büchern ist wichtig. So werden Identifikationsfiguren geschaffen und andere Blickwinkel eröffnet. Diversität kann dabei vieles umfassen: Es können People of Color, körperlich beeinträchtigte, neurodiverse oder eben queere Figuren vorkommen. In diesem Beitrag gibt die Redaktion Buchtipps zu Werken mit queeren Figuren.

Ich weiß, wir sind zu spät dran: Der Pridemonth ist eigentlich schon vorbei – aber hey, was spricht dagegen trotzdem über Bücher mit einer guten queeren Repräsentation zu schreiben? Nichts, oder? Dann legen wir los!

Warum queere Repräsentation in Büchern wichtig ist

Bevor die ganzen Buchtipps kommen, hier eine kleine, noch lange nicht ausreichende, Erklärung, warum es wichtig ist, dass es queere Repräsentation in Büchern (und anderen Medien) gibt. Für mich gibt es dafür zwei Hauptgründe:

Erstens werden so für queere Menschen Identifikationsfiguren geschaffen, was bedeutet, dass sie sich verstanden und ernstgenommen fühlen. Leicht nachzufühlen ist das vielleicht, wenn sich vorgestellt wird, dass es nur Geschichten über Millionäre gibt, dann würden sich alle, die keine Millionäre sind, irgendwann unwohl fühlen. Diese Identifikation macht es übrigens auch leichter seine eigene Sexualität auszuloten, denn Queerness wird normal und es lassen sich Parallelen zwischen der Fiktion und der Realität ziehen.

Und der zweite Grund, warum ich die Repräsentation wichtig finde, ist, dass dadurch Menschen, die heterosexuell sind, ein neuer Blickwinkel eröffnet wird. Sie können sehen, wie es queeren Menschen geht, sich in sie einfühlen und ihr eigenes Handeln reflektieren. Das kann, wenn es gut läuft, dazu führen, dass wir eine offenere Gesellschaft werden.

Das mag alles sehr pathetisch und utopisch klingen, aber Medien und die Darstellung von Personengruppen in Medien prägen unser Bild. Deshalb ist es wichtig, dass Diversität – nicht nur im Bereich Queerness – dargestellt wird, damit wir beginnen uns für andere Sichtweisen zu öffnen.

Meine Tipps:

Mir fällt es gar nicht leicht ein oder zwei bestimmte Bücher herauszupicken, die ich empfehlen möchte, aber ich glaube, dass ich drei Favoriten gefunden habe.

Samantha Shannon: Der Orden des geheimen Baumes – Teil 1 und 2

Worum geht es: Die Welt ist geteilt und zwei Kulturen um Drachen sind entstanden: Während im Westen alle Drachen als absolut böse verdammt werden, werden diese im Osten als göttergleiche Wesen verehrt. Trotz dieser gegensätzlichen Weltanschauungen müssen die Menschen des Ostens und des Westens zusammenarbeiten, als ein riesiger bösartiger Drache aus der Vergangenheit wieder aufersteht. Drei starke Frauen nehmen die Herausforderung an, die Bewohner beider Reiche zu vereinen, um die Menschheit zu retten.

Meine Meinung: Mehr möchte ich zu dem Buch nicht verraten. Es hat einen wahnsinnig komplexen Weltenbau und Handlung und die Lesenden folgen mehreren Personen gleichzeitig. Mir hat es aber vor allem gefallen, weil zum einen die Darstellung der Drachen, die in der westlichen Fantastik meistens „böse“ sind, vielfältig ist und weil wir straken Frauen folgen. Es wird das Geschichtsverhältnis in Frage gestellt und eine queere Liebesbeziehung gibt es auch. Also alles, um für mich ein gutes Buch auszumachen. Beide Teile gehören zu meinen Lesehighlights 2021!

T. J. Klune: Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte

Worum geht es: Linus Baker ist ein vorbildlicher Beamter. Seit Jahrzehnten arbeitet er in der Sonderabteilung des Jugendamtes, die für das Wohlergehen magisch begabter Kinder und Jugendlicher zuständig ist. Nie war er auch nur einen Tag krank, und das Regelwerk der Behörde ist seine Gute-Nacht-Lektüre. Linus‘ eintöniges Dasein ändert sich schlagartig, als er auf eine geheime Mission geschickt wird. Er soll das Waisenhaus eines gewissen Mr. Parnassus‘, das sich auf einer abgelegenen Insel befindet, genauer unter die Lupe nehmen. Kaum dort angekommen, stellt Linus fest, dass Mr. Parnassus‘ Schützlinge eher etwas speziell sind – einer von ihnen ist möglicherweise sogar der Sohn des Teufels! In diesem Heim kommt Linus mit seinem Regelwerk und seiner Vorliebe für Vorschriften nicht weit, das merkt er schnell. Eher widerwillig lässt er sich auf dieses magische Abenteuer ein, das ihn auf der Insel erwartet, und erfährt dabei die größte Überraschung seines Lebens …

Meine Meinung: Hier kommt ein weiteres Lesehighlight von mir! Ich liebe dieses Buch einfach. Es ist unaufgeregt und hat keine großen Konflikte, aber es hat eine sehr wichtige Botschaft: Egal, wie du bist, du bist richtig so. Dies wird an vielen Stellen im Buch angesprochen. Sei es, dass die Kinder im Waisenhaus lernen mit ihrer Besonderheit umzugehen, oder, dass Linus nicht nur seine Sexualität akzeptiert, sondern auch lernt, dass er mehr als nur ein träger Beamter sein kann. Die Charaktere sind mit viel Liebe gezeichnet und mich hat das Buch zur richtigen Zeit getroffen, sodass ich mich sofort verliebt habe.

Judith C. Vogt & Christian Vogt: Ace in Space

Worum geht es: Desillusioniert von ihrem Heimatkonzern Hadronic Inc. flieht die Pilotin Danai mitsamt gestohlenem Raumjäger zur Jockey-Gang ihrer Mutter. Marlene „Deardevil“ führt die Daredevils an – Fliegerasse, die ihre Stunts und kleinkriminellen Aufträge direkt ins Datanet streamen und von ihren Followern dafür geliebt werden. Danai hat wenig Lust auf Follower und Social Media, aber Fliegen kann sie wie der Teufel. Der Daredevils-Anwärter Kian braucht ihr Talent für eine Stuntflugshow, die verschleiern soll, dass sie einer unabhängigen Siedlung auf Valoun II gegen die Luftangriffe eines Megakonzerns helfen – genauer gesagt: gegen Hadronic Inc. Und so navigiert Danai mit vollem Schub in den Konflikt zwischen Anonymität, Ruhm und Zivilcourage, zwischen Kian und seine Ex-Freundin Neval, zwischen dieEgos der Daredevil-Jockeys und die Fallstricke ihrer eigenen Persönlichkeit.

Meine Meinung: Und zum Schluss noch eine deutschsprachige Empfehlung! Bisher haben mir alle Bücher des Autor*innenpaars gefallen, aber dieses finde ich besonders gelungen im Bezug auf Queerness. Im Buch wird unter anderem eine polyamore Beziehung dargestellt und es nicht-binäre Figuren. Allein das finde ich im Bereich der queeren Repräsentation schon sehr toll. Dazu kommt noch eine spannende und gesellschaftskritische Handlung – und schon ist ein super Roman geboren!

Silke und Roxane empfehlen ihre Lieblingsqueerenbücher

Silke empfiehlt gleich mehrere Bücher:

  • Almost Perfect von Brian Katcher
  • Skim von Mariko Tamaki
  • Annie on My Mind von Nancy Garden
  • Music from Another World von Robin Talley
  • Branded by the Pink Triangle von Ken Setterington

Roxane empfiehlt:

Sabrina Zelezný: Feuerschwingen

Worum geht es: Gold! Für Inka und Iberer der wichtigste Rohstoff ihrer Weltraumflotten, seit sie die Erde verließen – und ein Zankapfel, der die alte Feindschaft ihrer Völker neu befeuert. Umso verbissener suchen zwei ungleiche Männer nach dem sagenhaften Eldorado. Manco, Sonnenstaffelpilot der Inka, wittert ein Abenteuer, während Gonzalo, suspendierter Kommandant einer iberischen Sterngaleone, den eigenen Ruf retten will. Doch als Manco und Gonzalo auf der Erde stranden, müssen sie zähneknirschend zusammenarbeiten. Plötzlich steht mehr auf dem Spiel als Rätsel und Reichtum, aber kann das Zweckbündnis der beiden anders als mit Verrat enden?

Meine Meinung: Inkapunk. Schon mal davon gehört? Nein? Dann solltest Du dieses Buch lesen!

In einer fernen Zukunft haben Iberer und Inkas die Erde verlassen und den Weltraum erobert. Doch die beiden Reiche verbindet eine uralte Feindschaft, ein instabiler Waffenstillstand und die Gier nach Gold. Der Inka Manco glaubt, den Weg zum uralten Goldland Eldorado gefunden zu haben und kehrt dafür zur Erde zurück. Doch der Iberer Gonzalo hat sich als blinder Passagier in das Schiff des Inka geschlichen und will ihm das Geheimnis abjagen. Doch bereits auf der Erde zeigt sich, das das Schicksal für die beiden Männer einen ganz anderen Weg vorgezeichnet hat, als sie sich vorgestellt haben und das die Zukunft der beiden Sternenreiche in ihren Händen liegt.

Was für ein tolles Buch! Die Autorin versteht es hervorragend, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verknüpfen und die uralte Suche nach dem legendären Eldorado neu zu erzählen. Wobei, diese Suche ist das Geringste an der Geschichte. Viel mehr steht die Entwicklung von Manco und Gonzalo im Vordergrund, wie aus Feindschaft sich langsam Vertrauen, Freundschaft und (*pssssst* Spoiler!) auch schließlich Liebe entwickelt. Die gegenseitige Zuneigung, die sich zunächst keiner der beiden eingestehen will, ist so schön beschrieben und es wird der Romanze auch so viel Zeit gegeben, das es wunderbar zu begleiten ist und ich richtiggehend mitgefiebert habe.

Sprachlich wunderbar und vielfältig, spannend aufgebaut, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mochte – und dann doch das Ende hinausgezögert habe, weil ich einfach nicht wollte, dass diese wunderbare Geschichte vorbei ist.

Eines der wenigen Bücher, die ich gleich wieder von vorne anfangen könnte – wenn der Lesestapel nicht so hoch wäre… Weil ich nicht mehr als 5 Sterne vergeben kann, gibt es als Bonus noch 5 Lamas oben drauf! 🦙🦙🦙🦙🦙

Eine absolute Lese-Empfehlung!

Wenn ihr jetzt Interesse an queeren Büchern habt, dann keine Sorge: Es gibt sehr viele Autor*innen, die über queere Figuren schreiben. Für die deutschsprachige Fantastik gibt es die Liste von Amalia Zeichnerin, die viele Werke zu dieser Thematik vereint.

Sonst wünscht euch die Redaktion viel Spaß beim Lesen und wir freuen uns, wenn ihr eure Leseeindrücke mit uns teilt!


 

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