Warum Rassismus nicht witzig ist – © 2020 Claus R. Kullak | www.prepon.de

Warum Rassismus nicht witzig ist

Eine Replik auf rassistische Witze auf WhatsApp mit ein paar Argumenten gegen die Standup Comedians Lisa Eckhart, Dieter Nuhr & Co. sowie deren Nachahmer*innen und alle Menschen, die ihren Rassismus nicht verschleiern.

Schau, ***, ich mag dich sehr gerne. Und ich möchte dir nichts unterstellen. Deswegen gehe ich davon aus, dass du nicht wusstest, dass, rassistische Witze zu machen, immer negativ für die Menschen ist, die davon betroffen sind, auch wenn wir diese Witze ironisch machen.

Unsere Gesellschaft ist durchdrungen von Rassismus, den wir alle (auch ich) anerzogen bekommen haben. (Während mir also beigebracht wurde, dass man nicht über „Ausländer“ schimpft, war die Kultur der 80er, in der ich aufgewachsen bin, voll von Rassismen.)

Es kann daher aus Unwissenheit dazu kommen, dass Menschen, die aufgewachsen sind wie ich, etwas Rassistisches sagen oder einen Witz machen, der einen rassistischen Kern hat. Das ist mir auch oft passiert. Aber jedes Mal, wenn ich etwas durchschaut oder erklärt bekommen habe, habe ich mein Verhalten angepasst.

Ironischer Rassismus bleibt Rassismus

Personen wie die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart (zuletzt am 26.11.2020 bei „Nuhr im Ersten“, ARD) glauben, dass es möglich sei, genau denselben Witz, den ein Rassist aus rassistischen Motiven macht, ironisch nachzumachen, ohne dass das rassistisch sei. Das ist Unsinn. Erstens, weil trotzdem rassistische Vorurteile verbreitet und die Opfer von Rassismus der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Zweitens weil der Rassist damit in keiner Weise der Lächerlichkeit preisgegeben wird, selbst wenn das die Ausrede für besagte Ironisierung ist.

Drittens ist Ironisierung von Rassismus absolut genauso rassistisch wie Rassismus. Das liegt daran, dass Rassismus in der breiten deutschen Gesellschaft, die sich anders als Rechtsradikale nicht als rassistisch zu erkennen geben wollte, über Jahrzehnte genau in dieser Form praktiziert wurde, um ihn zu verschleiern: „Wie lustig, dass ich einen rassistischen Witz gemacht habe, den man nicht machen darf, und den ich natürlich ironisch meine, weil ich kein Rassist bin, außer dass ich denke, dass da viel Wahrheit drinsteckt, was mich zum Rassisten macht, auch wenn ich das nicht weiß.“

Auch ich habe das gemacht, weil die Gesellschaft es mir vorgemacht hat und ich es unreflektiert nachgemacht habe. Ich versuche, daraus zu lernen und mein Denken von rassistischen Denkweisen zu befreien.

Wer Rassismus bewusst benutzt, ist Rassist

Lisa Eckhart nutz gezielt Rassismen, weil sie dafür Aufmerksamkeit und Applaus von denjenigen bekommt, die gerne rassistisch sind, und von denjenigen, die rassistisch sind, sich dessen aber nicht bewusst sind. Wenn ich Rassismus bewusst einsetze, weil er rassistisch ist, und das für lustig halte, bin ich rassistisch, denn ich stütze meinen Humor auf rassistische Vorurteile.

Ich möchte dir also vorschlagen zu überdenken, ob das, was du da geantwortet hast, und der Kontext, in den du es gestellt hast (hoffentlich ohne dir genügend Gedanken drüber zu machen und einfach, weil du – wie ich – so erzogen wurdest), zu dem passen, wie du zu Rassismus stehen möchtest.

Meines Erachtens kann man nicht gegen Rassismus sein, Rassismus zugleich aber lustig finden und praktizieren.

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