Festtage in der Kultur Koreas – Kulturschleifen | © 2021 Couch & Chaos | Laura Bangert | couchundchaos.de

Festtage in der Kultur Koreas | Kulturschleifen

So individuell und einzigartig die Kultur und Geschichte eines jeden Landes sind, so besonders und bedeutsam sind auch deren Feste, Feiertage und Riten, die zelebriert werden. Im vierten Teil unserer Serie Kulturschleifen widmen wir uns daher den Feiertagen der koreanischen Kultur.

Feiertage kommen auf die unterschiedlichsten Weisen zustande: Manche haben einen geschichtlichen Hintergrund, andere lassen sich auf Religion oder Bräuche zurückführen, die seit langer Zeit durchgeführt werden. Beispiele aus der deutschen Kultur wären hier der Tag der Deutschen Einheit, Ostern oder Fastnacht. Korea hat ebenfalls eine Vielzahl an Feiertagen, die tief in der Gesellschaft verankert sind.

Und so beginnt das Jahr in Korea …

Obwohl die koreanischen Feiertage größtenteils auch koreanischen Ursprungs sind, hat der Westen diesen Bereich der Kultur ebenfalls leicht beeinflusst. So ist auch in Südkorea der 1. Januar – also Neujahr – ein Feiertag.

Abgesehen vom ersten Tag des Jahres, gibt es in Korea – und auch vielen anderen asiatischen Ländern – ein weiteres Neujahr, einer der wichtigsten Feiertage des Landes: Seollal. Anders als das „westliche Neujahr“ richtet sich Seollal nach dem chinesischen Mondkalender und findet am ersten Tag des ersten Monats dieses Mondkalenders statt. Daher fällt der Neujahrstag auf den Neumond zwischen Ende Januar bis Anfang Februar nach Gregorianischen Kalender – 2021 war das der 12. Februar, im Jahr zuvor der 25. Januar.

Seollal wird größtenteils in der Familie, aber auch mit zahlreichen traditionellen Zeremonien und Ritualen gefeiert. Zu diesem Anlass werden oft auch Hanbok, die traditionelle Kleidung, getragen. Eine Zeremonie, die im Kreis der Familie durchgeführt wird, ist das Charye. Bei diesem Ritus wird den Ahnen gedacht, und den verstorbenen Angehörigen Speisen und Getränke auf einem altarähnlichen Tisch dargebracht. Dieses Ritual wird auch an anderen Feiertagen im Jahr durchgeführt, zum Beispiel am Chuseok – aber dazu später mehr. Anschließend zollen die Jüngeren den Eltern und Großeltern in der Verneigungszeremonie, Sebae, Respekt und wünschen ihnen Gesundheit und ein langes Leben, während die Älteren ihnen ihren Segen und Geldgeschenke geben. Der Seollal wird dann mit traditionellen Spielen verbracht und Speisen zelebriert. Hinzu kommen weitere Traditionen, wie beispielsweise die Reinigung des Hauses und das Anzünden von Rauch- und Bambusstäbchen.

Eine weitere Zeremonie zum Gedenken der Ahnen ist das Jesa. Diese Feier findet am Todestag des jeweiligen Familienmitgliedes statt und hat eine lange Tradition in Korea.

Fun-Fact: In Korea wird das Alter anders ermittelt als im Westen; es gibt also das „koreanische Alter“ und das „internationale Alter“. Sobald ein Kind geboren wird, ist es bereits ein Jahr alt – logisch eigentlich, denn es verbrachte ja bereits neun Monate, (fast) sein erstes Lebensjahr seiner Existenz im Mutterleib. Neben dem eigentlichen Geburtstag – also dem Tag der Geburt – werden auch die ersten 100 Tage eines Babys gefeiert, das nennt sich dann Baek-il. Diese 100 Tage gemeinsam mit den neun Monaten vor der Geburt ergeben dann ein Jahr. Das Baby ist also am Baek-il ein Jahr auf der Welt, wenn auch den Großteil davon unantastbar im Bauch der Mutter.

Das koreanische Alter macht die Menschen also mindestens ein, wenn nicht sogar zwei Jahre älter. Ein Beispiel: Du wurdest am 06.06. geboren. 100 Tage später feierst du Baek-il, deinen ersten Geburtstag. Du bist also ein Jahr alt. Dann im darauffolgenden Jahr am Neujahrstag nach dem Mondkalender, dem Seollal, bist du wieder ein Jahr älter. Nun bist du also zwei Jahre alt (im Westen aber noch immer nicht mal eins). Deinen Tag der Geburt im Juni feierst du dann zwar, aber du bist dennoch zwei Jahre alt.

Also, um dein koreanisches Alter zu ermitteln, rechnest du zwei Jahre auf dein „internationales Alter“, wenn du in diesem Jahr noch nicht Geburtstag hattest. Ist dein Geburtstag bereits vorbei, so bist du „nur“ ein Jahr älter. Klingt etwas kompliziert, aber da in Korea das Alter wegen des respektvollen Verhaltens und Anredens untereinander eine wichtige Rolle spielt, ist es nicht schlecht, schon mal vom „koreanischen Alter“ gehört zu haben. Sollte ein Koreaner dich nach deinem Alter fragen, reicht es aber natürlich ebenfalls, dein Geburtsjahr zu nennen, damit kann der Altersunterschied ja auch festgestellt werden.

Das koreanische Frühjahr ist voller Tatendrang …

Im März wird ein geschichtsbedingter Feiertag begangen: Samiljeol – Tag der Unabhängigkeitsbewegung. Mit dem Verlesen der Unabhängigkeitserklärung – verfasst von Aktivisten – am 1. März 1919 begannen Proteste und Demonstrationen, die über Monate andauern sollten, und sich gegen die Besetzung des Landes durch Japan und deren Kolonialpolitik richteten. Korea wurde bereits 1910 von dem Nachbarstaat annektiert. Im ganzen Land gingen Menschen und Studenten auf die Straße. Ein Jahr später wurden die Proteste endgültig von Polizei, japanischer Armee und Kolonialverwaltung niedergeschlagen. Genaue Opferzahlen unterscheiden sich, je nach Quelle: Während auf japanischer Seite von 553 Getöteten, 12.000 Verhafteten, 158 Verwundeten sowie acht getöteten Polizisten und Militärangehörigen gesprochen wird, ist die Zahl der Betroffenen laut koreanischen Angaben weitaus höher: Hier wurde mehr als 7.500 Getötete, über 46.300 Verhaftete und fast 15.850 Verwundete angegeben. Die Kolonialherrschaft Japans über Korea sollte noch bis 1945 andauern und endete erst durch Japans Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Der 1. März ist heute ein koreanischer Feiertag und erinnert an die Bewegung des ersten März 1919.

Ein besonderer Feiertag für die jüngsten Familienmitglieder ist der 5. Mai: Eorininal – der Kindertag. International gibt es in vielen anderen Ländern ebenfalls einen solchen Feiertag, und auch in Südkorea widmet sich der Kindertag dem Wohl der Kleinsten und dem Familienbeisammensein. Da Familien einen hohen Stellenwert in der koreanischen Gesellschaft haben und Kinder die Zukunft eines Landes sind, soll ihnen besonderer Schutz zukommen, um ihr Aufwachsen sicher und angenehm zu gestalten.

Der Eorininal, der seit 1970 ein offizieller Feiertag ist und bis 1975 noch als „Tag der Jungen“ bezeichnet wurde, gilt als zweiter Geburtstag für die Kinder. Sie bekommen kleine Geschenke und die Eltern verbringen Zeit mit ihnen, gehen in den Zoo oder in Freizeitparks. Es gibt außerdem zahlreiche Angebote und Events für die Jüngsten, wie Sportfeste und Paraden. Auch wenn man keine eigenen Kinder hat, wird dieser Tag von vielen Erwachsenen dazu genutzt, die Eltern zu besuchen und gemeinsam Zeit zu verbringen.

Apropos Kinder: Kinder tragen in der Regel den Nachnamen des Vaters, denn Frauen übernehmen in Korea den Familiennamen ihres Gatten nicht mit der Hochzeit, sondern behalten ihren eigenen.

Einer der wohl buntesten Feiertage in Südkorea (aber auch vielen anderen asiatischen Ländern) ist der Bucheonim Oshinnal oder auch Seokka tanshin-il – Buddhas Geburtstag. Am 8. Tag des 4. Mondmonats, meist ein Datum Anfang Mai, wird das Lotus Laternenfest gefeiert und Tempel mit bunten Laternen geschmückt. Nachts finden dann Paraden und Prozessionen zu Ehren Buddhas Geburt, Erleuchtung und Eintritt ins Nirvana statt. Buddhas Geburtstag ist der wichtigste buddhistische Feiertag. Auch wenn dieser Glaube nicht Staatsreligion ist und viele Koreaner nicht dem Buddhismus angehören, hat das Fest dennoch tiefe Bedeutung und wird im ganzen Land zelebriert. Bereits Tage bzw. Wochen vor dem eigentlichen Feiertag werden buddhistische Tempel mit hunderten von farbigen Laternen dekoriert. So wird fast das ganze Tempelgelände von einem bunten Laternenhimmel bedeckt. Gleichzeitig können Leute persönliche Wünsche notieren und in weißen Laternen platzieren. Rund um den Geburtstag werden auch zahlreiche große Laternen, meist in Form von Drachenfiguren und anderen Konstrukten wie Blumen und Buddha-Statuen, aufgebaut – beispielsweise in Seoul am Cheonggyecheon-Bach. Hinzu kommen zahlreiche Aktivitäten für Besucher in den Tempeln. Die bunte Dekoration bleibt den Schaulustigen auch nach dem Geburtstag eine Weile erhalten, denn die Laternen werden nicht sofort abgehängt, sondern verschönern noch über den Feiertag hinaus das Stadtbild.

Der geschichtsträchtige koreanische Sommer …

Jeder Krieg fordert Opfer. Auch Korea hat in seiner langen Landesgeschichte bereits viele Konflikte miterlebt und musste zahlreiche Opfer beklagen. Um diesen Opfern zu gedenken, gibt es den Hyeonchung-il, den Gefallenengedenktag oder auch Memorial Day am 6. Juni. Den Feiertag gibt es seit 1954 und soll die Männer und Frauen ehren, die für ihr Land ihr Leben während Aufständen zur Zeit der japanischen Kolonialherrschaft, dem Koreakrieg und den Kampfhandlungen im Vietnamkrieg lassen mussten. Eine zentrale Gedenkveranstaltung findet am 6. Juni in der Hauptstadt im Seoul National Memorial Cemetery statt, wo wohl der Großteil der Verstorbenen begraben ist. Veteranen, Aktivisten, Familienangehörige und anderweit Beteiligte sowie Politiker und der südkoreanische Präsident nehmen daran teil. Im ganzen Land wird außerdem durch Sirenen eine zentrale Gedenkminute abgehalten.

Im August gibt es einen weiteren historischen Feiertag, der wie Samiljeol mit der kolonialen Annexion Koreas durch Japan zu tun hat. Am 15. August wird Gwangbokjeol – Tag der Befreiung zelebriert. Der Nationalfeiertag erinnert an das Ende der japanischen Kolonialzeit 1945 und die Unabhängigkeit von dem Japanischen Kaiserreich. Auch wenn Korea eigentlich erst ein paar Jahre später, 1952, komplett frei von japanischer Verwaltung wurde, so gilt der 15. August als symbolträchtiger Tag der Unabhängigkeit. Gwangbokjeol wird sowohl in Süd- als auch in Nordkorea (wenn auch unter anderem Namen) begangen. Gleichzeitig wird an diesem Tag die Regierungsbildung und Gründung der Republik Korea (also Südkorea) am 15. August 1948 gefeiert – natürlich nicht vom Norden, aber das erklärt sich ja von selbst.

Der festliche Herbst in Korea …

In den meisten Kulturen wird in den ertragsreichsten Zeiten des Jahres der Natur und/oder Göttern für die Ernten und Gaben der Erde gedankt. Auch Korea feiert ein solches Erntedankfest: Am 15. Tag des 8. Mondmonats – meist der Zeitraum vom 20. bis 22. September – findet das Chuseok statt. Auch während des Chuseok werden traditionelle Zeremonien und Rituale begangen, sowie Ahnengedenkfeiern wie Charye und Ehrung der Älteren, die den Ritualen zu Seollal sehr ähneln. Es ist üblich, während dieses Feiertages seine Familie zu besuchen, Hanbok zu tragen und gemeinsam zahlreiche traditionelle Gerichte zu genießen. Zwar ist dieses Fest auch sehr aufwendig und bei großen Familien recht anstrengend, dennoch gehört Chuseok zu den wichtigsten traditionellen Feiertagen des Landes.

Im Oktober werden gleich zwei Feiertage zelebriert, die etwas mit der langen Geschichte des Landes zu tun haben. Gaecheonjeol am 3. Oktober basiert auf dem Schöpfungsmythos aus der Gojoseon-Ära – lange vor der Joseon-Dynastie und den drei Königreichen, als das erste koreanische Königreich 2333 vor Christus von Dangun gegründet wurde. Die Legende besagt, dass Dangun der Enkel des Himmelsherren Hwanin war und in diesem Jahr den Thron bestieg und die Stadt Pjöngjang (heute die Hauptstadt Nordkoreas) und somit das erste koreanische Königreich Gojoseon errichtete.   

Gaecheonjeol bedeutet etwa ‚Tag des offenen Himmelstores‘ und bezieht sich eigentlich auf das Datum des 3. Oktober 2457 vor unserer Zeitrechnung, an dem Danguns Vater Hwanung (Sohn von Hwanin) vom Himmel hinabstieg, um auf der Erde auf dem Berg Baekdu (im heutigen Nordkorea) zu leben. Da sein Nachkomme Dangun schließlich die koreanische Nation gründete, wurde der Tag als ‚Tag der Staatsgründung‘ bzw. ‚Mythologische Gründung Koreas‘ durch Dangun auf den 3. Oktober gelegt. Noch heute wird an diesem Gründungstag mit großem Feuerwerk gefeiert.

Der zweite Feiertag im Oktober verdeutlicht zudem, wie stolz Korea auf sein Alphabet, das Hanguel, ist, und zeigt dies durch den nationalen Gedenktag und gesetzlichen Feiertag, den Hangeullal – Tag der Verkündigung des Hangeul, bzw. Tag des koreanischen Alphabets. Am 9. Oktober wird daher in Südkorea (am 15. Januar in Nordkorea) an die Erfindung und Verkündigung des Hangeul durch König Sejong im 15. Jahrhundert erinnert.

Der koreanische Winter rundet das Jahr ab …

Das Jahr neigt sich im Dezember auch in Südkorea, wie auch in vielen Ländern, mit Weihnachten dem Ende zu. Zwar wird oft auf große Festlichkeiten verzichtet, aber dennoch wird durch das in Südkorea ansässige Christentum auch hier am 25. Dezember mit Seongtanjeol oder auch Keuriseumaseu (abgeleitet vom englischen Christmas) die Geburt Jesus Christus gefeiert. Am 22. bzw. 23. Dezember findet zudem Dongji statt, was wörtlich ‚Eintritt des Winters‘ bedeutet. Dongji ist kein offizieller Nationaler Feiertag, vielmehr wird hierbei – wie in manch anderen asiatischen Ländern – die Wintersonnwende gefeiert, der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres. Mancherorts wird diesem Tag mit Ritualen und traditionellen Veranstaltung gedacht. Ein Brauch ist es, gemeinsam Patjuk zu essen, Rote-Bohnen-Brei mit Reisbällchen.

Zahlenspaß zum Schluss

Im Koreanischen haben die Monate nicht wie in weiten Teilen des Westens Namen, die beispielsweise römischen Ursprungs sind, wie der August, der nach Kaiser Augustus benannt wurde oder der Juni, der seinen Namen der Göttin Juno verdankt. In Korea werden Zahlen und das Wort wol (월) – Monat – genutzt, um Monate anzugeben. Januar ist dementsprechend wörtlich „Eins Monat“, Februar „Zwei Monat“ und so weiter. Im Koreanischen gibt es zudem zwei Zahlensysteme, die für unterschiedliche Angaben verwendet werden: Das Koreanische Zahlensystem und das Sinokoreanische, das chinesischen Ursprungs ist. Letzteres wird auch bei Monatsnamen angewendet.

Das Koreanische Zahlensystem gibt die Anzahl, zum Beispiel bei Altersangaben, beim Zählen von Gegenständen oder von Stunden an. Das Sinokoreanische dagegen findet neben den Monatsnamen beispielsweise bei Stockwerknummerierung, Geldbeträgen oder Jahresangaben Verwendung.



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